Siehe auch: Wiederholgenauigkeit · TCP
A2 Einträge
- Absolutgenauigkeit Pose Accuracy
- Abweichung zwischen kommandierter und tatsächlich angefahrener Pose im Arbeitsraum. Liegt typisch um Faktor 5-10 schlechter als die Wiederholgenauigkeit (z.B. ±0,5 mm bei einem Roboter mit ±0,05 mm Wiederholgenauigkeit). Kritisch für Offline-Programmierung mit CAD-Daten; oft per Kalibrierung verbessert.
- AMR / AGV Mobile Roboter
- AGV (Automated Guided Vehicle) folgt fixen Spuren oder Markern, AMR (Autonomous Mobile Robot) navigiert mit Vision/LiDAR frei. Beide zählen formal nicht zur Industrierobotik im engeren Sinn (kein Manipulator), überschneiden sich aber zunehmend mit mobilen Manipulatoren in der Logistik — Trend seit 2023.
Siehe auch: Cobot
B1 Eintrag
- Bahnsteuerung CP / Continuous Path
- Steuerungsmodus, in dem der TCP einer programmierten Bahn (Linear, Kreis, Spline) folgt — zwingend für Schweißen, Lackieren, Kleben, Entgraten. Abgrenzung zu Punkt-zu-Punkt-Steuerung (PTP), bei der nur Start- und Endpose definiert sind und der Weg dazwischen offen bleibt. Bahnsteuerung verlangt deutlich höhere Rechenleistung in der Robotersteuerung.
C1 Eintrag
- Cobot Collaborative Robot
- Roboter, der laut ISO/TS 15066 ohne trennende Schutzeinrichtung neben Menschen arbeiten darf. Typisch: Traglast 3-20 kg, reduzierte Geschwindigkeit, kraft- und momentbegrenzt. Universal Robots, Fanuc CRX, ABB GoFa, Kuka iisy. Wachstumssegment, aber 2025 noch unter 10 Prozent der weltweit installierten Industrieroboter-Basis.
Siehe auch: ISO 10218 · Integrator
D2 Einträge
- Delta-Roboter Parallel-Kinematik
- Roboter mit drei oder vier parallelen Armen, die eine gemeinsame Plattform tragen. Extrem schnell und leicht, daher Standard für Pick-and-Place in Lebensmittel, Pharma und Verpackung — bis 200 Picks pro Minute. Kleine Traglast (typ. 1-8 kg), kompakte Reichweite. Hauptanbieter: ABB FlexPicker, Fanuc DR-3iB, Omron Quattro.
- DH-Parameter Denavit-Hartenberg
- Mathematische Konvention zur Beschreibung der Geometrie eines Roboterarms (Achsenabstände, Verdrehungen, Versatz). Grundlage jeder kinematischen Modellierung und Kalibrierung. Für Anwender selten relevant; für Integratoren bei Offline-Programmierung und Mehrroboter-Synchronisation Pflichtwissen.
Siehe auch: SCARA · 6-Achsen-Roboter
Siehe auch: Inverse Kinematik · Absolutgenauigkeit
E1 Eintrag
- Endeffektor End-of-Arm-Tool
- Werkzeug am sechsten Achsflansch des Roboters — je nach Aufgabe: Greifer, Schweißzange, Sprühpistole, Schraubspindel, Klebedüse, Saugplatte. Endeffektoren können 20-40 Prozent des Zellenpreises ausmachen und werden meist vom Integrator ausgewählt, nicht vom Roboterhersteller. Schnellwechselsysteme erlauben mehrere Tools an einem Roboter.
G1 Eintrag
- Greifer Gripper
- Endeffektor zur Aufnahme von Werkstücken. Bauarten: parallele 2-/3-Backen-Greifer (mechanisch), Vakuumgreifer (für flache, glatte Teile), Magnetgreifer (Stahl), Soft-Gripper aus Silikon (empfindliche Teile, Lebensmittel). Greiferwahl folgt dem Werkstück, nicht umgekehrt — und häufigste Quelle für Zellen-Störungen.
Siehe auch: Endeffektor · IP-Schutzklasse
I4 Einträge
- Integrator Systemhaus
- Spezialisiertes Engineering-Unternehmen, das Roboter, Endeffektor, Peripherie, Sicherheitstechnik und Software zur lauffähigen Zelle integriert. In Deutschland gibt es laut VDMA über 600 Robotik-Integratoren, von Ein-Personen-Büro bis 500-Mitarbeiter-Haus. Integrationskosten übertreffen meist den Roboter-Listenpreis (typisch Faktor 1,5-3).
- Inverse Kinematik IK
- Berechnung der Achsstellungen, die ein gewünschter TCP-Pose entspricht. Hat in der Regel mehrere Lösungen (Ellbogen oben/unten, Hand vor/hinter, etc.); die Steuerung wählt nach Kollisions- und Singularitätskriterien. Verstanden werden muss IK nur, wenn Pfade in CAD geplant statt geteacht werden.
- IP-Schutzklasse Ingress Protection
- Norm IEC 60529. Erste Ziffer = Staubschutz (0-6), zweite = Wasserschutz (0-9). Für Industrieroboter gilt: Standard IP54, Foundry/Spritzguss IP67, Hygiene-/Lebensmittelbereich IP69K (abwaschbar mit Hochdruckreiniger). Nicht alle Modellvarianten sind in allen IP-Klassen lieferbar; prüfen vor Bestellung.
- ISO 10218 / ISO/TS 15066 Sicherheitsnormen
- ISO 10218-1/-2 ist die internationale Sicherheitsnorm für Industrieroboter und Roboteranwendungen. ISO/TS 15066 ergänzt sie um die vier Modi der Mensch-Roboter-Kollaboration (Sicherheitsstopp, Hand-Guiding, Geschwindigkeits- und Abstandsbeobachtung, Leistungs- und Kraftbegrenzung). Verbindlich für jede Roboterzellen-Inbetriebnahme in der EU; CE-Konformität zwingt zur Einhaltung.
Siehe auch: Roboterzelle · Twin-Track
Siehe auch: DH-Parameter · Bahnsteuerung
Siehe auch: Roboterzelle
Siehe auch: Cobot · Sicherheits-Käfig
K0
- (Siehe Kategorie)
- Begriffe ab K finden sich unter den Hauptkategorien: Cobot, Endeffektor (Klebedüse), Wiederholgenauigkeit (Kalibrierung).
P2 Einträge
- Palettierroboter Palletizer
- Hochlast-Industrieroboter (Traglast 80-700 kg) mit langer Reichweite (2,5-3,5 m), spezialisiert auf das Stapeln von Kartons, Säcken oder Gebinden auf Europaletten. Bauformen: 4-Achser (schneller, leichter, nur Vertikal-Bewegung) und 6-Achser (universell, auch Schichtschemata mit Drehung). Wichtigste Hersteller: Fanuc M-410, Kuka KR Quantec PA, Yaskawa MPL.
- Pendant Teach Pendant / Handbediengerät
- Mobiles Bediendisplay zum Programmieren, Teachen und Diagnostizieren des Roboters — per Kabel oder WLAN mit der Steuerung verbunden. Jeder Hersteller hat ein eigenes UI: Fanuc iPendant, ABB FlexPendant, Kuka smartPAD, Yaskawa Smart Pendant. Wechsel zwischen Marken bedeutet Schulungsaufwand — deshalb tendieren Werke zur Markentreue.
Siehe auch: Traglast · Reichweite
Siehe auch: RCS
R3 Einträge
- RCS Robot Control System
- Die eigentliche Robotersteuerung: Industrie-PC plus Echtzeit-OS plus Servo-Treiber, der Achsbewegungen koordiniert und Sicherheits- sowie I/O-Logik abhält. Markenprogramme: Fanuc R-30iB, ABB OmniCore, Kuka KR C5, Yaskawa YRC1000. Schnittstellen zur SPS-Welt: PROFINET, EtherNet/IP, OPC UA.
- Reichweite Reach
- Maximaler horizontaler Abstand vom Sockel zum TCP, gemessen mit ausgestrecktem Arm. Typische Werte: SCARA 400-1.000 mm, kompakte 6-Achser 700-1.300 mm, Schwerlast 2.500-3.900 mm. Achtung: Die Reichweite definiert nur die Spitze des Arbeitsraums; das tatsächlich nutzbare Volumen ist deutlich kleiner und vom Hersteller im Datenblatt skizziert.
- Roboterzelle Robot Cell
- Abgegrenzter Arbeitsbereich, in dem der Roboter und seine Peripherie (Zuführung, Förderer, Sensorik, Schutzeinrichtung) als funktionale Einheit arbeiten. CE-Konformität und Risikobeurteilung treffen die Zelle als Ganzes, nicht den Roboter allein. Standardunterscheidung: vollumzaunt, Lichtgitter-geschützt oder kollaborativ (ohne Käfig).
Siehe auch: Bahnsteuerung · Pendant
Siehe auch: Traglast
Siehe auch: Integrator · Sicherheits-Käfig
S3 Einträge
- SCARA Selective Compliance Assembly Robot Arm
- 4-Achs-Roboter mit horizontaler Schwenkbewegung und einer vertikalen Hubachse. Steif in vertikaler Richtung, nachgiebig in horizontaler — ideal für Montage, Bestueckung, Pick-and-Place auf einer Ebene. Schneller und günstiger als 6-Achser bei vergleichbarer Aufgabe, dafür unflexibler bei Schrägbewegungen. Typische Anbieter: Epson, Yamaha, Mitsubishi, Stäubli TS.
- 6-Achsen-Roboter Knickarm / Articulated Arm
- Universalroboter mit sechs rotatorischen Achsen, die jede beliebige Pose im Arbeitsraum erreichen können. Marktanteil > 60 Prozent aller installierten Industrieroboter weltweit. Traglastspanne 3 bis 2.300 kg, Reichweite 700 bis 4.700 mm. Universal einsetzbar — Schweißen, Handling, Montage, Lackieren — daher die Standardreferenz im Vergleich.
- Sicherheits-Käfig Safety Guard
- Trennende Schutzeinrichtung um die Roboterzelle — Stahlgitter, Polycarbonat-Scheiben oder Lichtgitter mit verriegelter Schiebetür. Pflicht bei klassischen Industrierobotern nach ISO 10218, entfällt nur bei zertifizierten Cobot-Anwendungen. Material- und Engineering-Aufwand: oft 5.000-25.000 EUR pro Zelle.
Siehe auch: Delta-Roboter · 6-Achsen-Roboter
Siehe auch: SCARA · Palettierroboter
Siehe auch: Roboterzelle · Cobot
T3 Einträge
- TCP Tool Center Point
- Bezugspunkt am Endeffektor — der Punkt, dessen Bahn programmiert wird (Schweißdrahtspitze, Greifermitte, Sprühkegel-Mittelpunkt). Wird als Versatz vom sechsten Achsflansch in X/Y/Z plus Orientierung definiert. Falsch konfigurierter TCP ist die häufigste Ursache für Bahnabweichungen und Programmierfehler.
- Traglast Payload
- Maximales Gewicht am sechsten Achsflansch — inklusive Endeffektor. Achtung: Hersteller-Angabe gilt für das Schwerpunkt-Modell-Diagramm, das im Datenblatt steht. Realer Endeffektor mit ungünstigem Schwerpunkt halbiert oft die nutzbare Werkstück-Traglast. Spannen: Cobot 3-30 kg, Standard-Knickarm 6-50 kg, Schwerlast 100-2.300 kg.
- Twin-Track / Linear-Achse 7th Axis
- Externe Linearachse, auf der ein Roboter verfahren wird, um die Reichweite zu erweitern — klassisch im Karosseriebau (mehrere Schweißstationen pro Roboter) oder im Maschinenbau (langer Förderer). Wird von der Robotersteuerung als koordinierte 7. Achse mitgeführt. Anbieter: GUDEL, Vahle, Roboter-OEMs als Eigenmarke.
Siehe auch: Endeffektor · Wiederholgenauigkeit
Siehe auch: Reichweite · Endeffektor
Siehe auch: Integrator · Reichweite
W1 Eintrag
- Wiederholgenauigkeit Repeatability ISO 9283
- Streuung der erreichten Pose, wenn dieselbe Zielpose mehrfach hintereinander angefahren wird. Klassen: Cobot ±0,02-0,1 mm, Schweißroboter ±0,05-0,08 mm, Schwerlast-Palettierer ±0,2-0,5 mm. Wichtigste Einzelkennzahl im Datenblatt — aber nicht zu verwechseln mit Absolutgenauigkeit, die meist 5-10 mal schlechter liegt.
Siehe auch: Absolutgenauigkeit · TCP
Z1 Eintrag
- Zykluszeit Cycle Time
- Dauer eines kompletten Roboter-Arbeitszyklus — vom Aufnehmen des Werkstücks bis zur Rückkehr in die Startpose. Standard-Benchmark der Hersteller ist der Adept-Zyklus (25 mm hoch, 305 mm horizontal, 25 mm runter, zurück). Werte: SCARA 0,28-0,4 s, Delta 0,23-0,35 s, 6-Achser 0,5-1,2 s. Für Wirtschaftlichkeitsrechnungen direkt einsetzbar.
Siehe auch: Delta-Roboter · SCARA
Hinweis
Begriffe in der Praxis
Die meisten dieser Begriffe begegnen Ihnen direkt in Datenblättern und Lastenheften. Wer einmal Traglast, Reichweite, Wiederholgenauigkeit, IP-Schutzklasse und Zykluszeit lesen kann, hat bereits 80 Prozent der Kommunikation mit Roboterhersteller und Integrator abgedeckt. Die restlichen 20 Prozent — vor allem rund um ISO 10218, TCP-Definition und Bahnsteuerung — sind Spezialwissen für die Inbetriebnahme.
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